Sanierung vom Jubiläumsbrunnen in Waidmannslust im Herbst 2019

Ein Projekt der Initiative Waidmannslust
Versetzen wir uns in Gedanken einmal in die in den ersten Jahren des letzten Jahr-hunderts noch sehr junge Gemeinde des Ortsteils Waidmannslust. Die Einwohnerzahl war noch recht überschaubar und die Bebauung am Rande der Straßen sehr lückenhaft. Es herrschte jedoch immer noch eine konstruktive Aufbruchstimmung und es gab bereits ein erfreulich lebendiges Vereinsleben. Man arbeitete auf dieser Ebene intensiv zusammen und unterstützte sich in seiner jeweiligen Aufgabe. So wirkten eben auch alle diese Gruppen mit, als es hieß, das 50. Jubiläum des Ortsteils im Jahre 1925 zu planen. Pfarrer Herbrechtsheimer der evangelischen Gemeinde hatte die Idee, nach dem Festgottesdienst in der ja auch erst 1913 eingeweihten Kirche einen sog. Jubiläumsbrunnen einzuweihen. Zu diesem Zweck wollte die Kirchengemeinde ein Stück ihres Kirchengrundstücks zur Verfügung stellen und der in der Kunstwelt bekannte Professor und Bildhauer Breitkopf aus Cosel sollte den Entwurf fertigen. Da auch die Finanzierung durch die Ortsgemeinde sichergestellt war, stimmte der „Ausschuss für das Ortsjubiläum“ diesen Plänen zu und der Gemeindekirchenrat stellte 1925 recht-zeitig den baupolizeilichen Antrag. Mit der Ausführung wurde dann der Waidmanns-luster Steinmetzmeister Max John beauftragt.
Im Zentrum des Brunnens stehen ein pausbäckiger Jägerbube und sein Dackel, aus zwei Frischlingsköpfen sprudelte ehedem das Wasser. Der Brunnen trägt vorn die In-schrift: Waidmannslust – Jubiläumsbrunnen 1875 – 1925, auf der Rückseite den bekannten Text: „Im Wald und auf der Heide, da such ich meine Freude“.

Der damalige Festredner, der Lehrer Wilhelm Merten, stellte die Beziehung zwischen Brunnen und Waidmannslust wie folgt heraus:
“Das ganze Werk entspricht dem Gesetz des Allegorischen, das in dem Brunnen als Verkörperung des Namens Waidmannslust liegt und ist mit seiner behaglich-fröhlichen, aber maßvollen Barockstimmung ein Hinweis auf die Vergangenheit und Zugleich Ausdruck der Hoffnung auf das künftige Leben in Waidmannslust in einer sich liebenswürdiger gestaltenden Zukunft.“ (Aus: Manfred Mendes: Leben in Waidmannslust, Berlin 2004)

Dieser Aspekt des Gemeinschaftlichen war ein wesentlicher Anlass, warum sich die Initiative Waidmannslust im Frühjahr 2019 Gedanken über den sehr unbefriedigenden Zustand des kleinen Denkmals an der Kirche machte. Die Initiative ist ein seit 2013 arbeitender loser Zusammenschluss engagierter Waidmannsluster Bürgerinnen und Bürger, „…die schon länger in diesem Ortsteil wohnen und ihn schätzen. Wir sind parteipolitisch neutral und verstehen uns als Forum interessierter Bürgerinnen und Bürger, denen die Lebensqualität unseres Ortsteils am Herzen liegt. […]“ (Auszug aus dem Beitrag von Christine Paulisch im Gemeindebrief Dez. 2019/Jan.2020, Seite 18)

In den vergangenen mehr als 90 Jahren wurde das kleine Denkmal aber offensichtlich etwas vernachlässigt, der Muschelkalk ist arg verwittert und das Wasser sprudelt schon lange nicht mehr. Die umgebenden Pflanzen hatten sich des Brunnens bemächtigt und vorhandene Fugen durchdrungen. Der hinter dem Brunnen stehende Baum hatte das Steinwerk fest umschlossen und drängte ebenfalls weiter.
Bei Ortsterminen mit Vertreterinnen und Vertretern der bezirklichen BVV kam immer wieder auch unsere Absicht, den Brunnen zu sanieren, zur Sprache und uns wurde wiederholt Mut gemacht, hieraus doch ein Projekt für den Kiezfonds zu machen. Die Ziele des Kiezfonds weisen in die gleiche Richtung, örtliche Initiativen bei der Entwicklung des Gemeinwesens zu unterstützen. Die Brunnen-Idee wurde weiterentwickelt, der Antrag an den Fonds formuliert und erfolgreich vor der Jury vertreten. Der Brunnen soll als ehemaliges Wahrzeichen vor der als Denkmal geschützten Königin-Luise-Kirche wiederbelebt und ihm quasi neues Leben eingehaucht werden, weil die Bedeutung des Kunstwerks kaum noch bekannt ist. Jedoch ist nicht nur der Wert an sich als künstlerischer Schmuck für den Stadtteil von Bedeutung, denn wie schon die Kirche selbst ist auch der Jubiläumsbrunnen in die Denkmalliste des Landes Berlin wie folgt eingetragen:

„Baudenkmale“
Jubiläumsbrunnen Bondickstraße 14
09011870
Bondickstraße 14, Ev. Königin-Luise-Kirche
mit Einfriedung, 1912-13 von Robert Leibnitz; Umbauten, 1960-61 von Walter Krüger; Jubiläumsbrunnen, 1925 von Josef Breitkopf-Cosel.

Es wurden Gespräche mit den Wasserwerken gesucht, als möglicher Partnerin für den eventuell späteren Wasserbetrieb, und erste Kostenschätzungen für eine Reparatur und Überarbeitung eingeholt. Es war nicht möglich, Unterlagen über die ehemalige Wassertechnik zu erhalten. Uns wurde vom Amt der Hinweis auf die erhöhten Anforderungen gegeben, die heute an die Brunnentechnik gestellt werden. Es wurde dabei auch schnell deutlich, dass eine möglicherweise vollkommen zu erneuernde technische Ausstattung nicht nur wesentliche Fragen aufwirft, sondern auch den Kostenrahmen stark beeinflussen wird. Hierauf hatten wir auch bei der Antragstellung und bei der Verteidigung vor der Fondsjury hingewiesen und uns bei der Erteilung des Auftrags auf eine lediglich bauliche Ertüchtigung beschränkt.

Auch jetzt wieder, wie schon vor 1925, wurde versucht, für die Finanzierung auch Spenden zu akquirieren. Durch einen solchen öffentlichen Beitrag wie den Kiezfonds und bewusste Beiträge der Bewohnerschaft sollten die Bemühungen und das Bestreben nach einem gemeinschaftlichen Miteinander im Ortsteil durch dies Kunstwerk – wie schon 1925 – unterstützt werden. Der Brunnen als Teil des Ganzen und als Wahrzeichen soll identitätsstiftend erneut wirksam werden! Dieses Ziel wurde dadurch er-reicht, dass durch die Tombola, die die Initiative Waidmannslust regelmäßig während des alljährlichen Kiezfestes durchführt, ein wesentlicher Beitrag erzielt werden konnte. Hinzu kam ein eine namhafte Einzelspende!

Drei Fachbetriebe wurden aufgefordert, ihr Angebot abzugeben. Den Auftrag hat dann der Waidmannsluster Steinmetz Scheybal erhalten.

Der eigentlich keinen schlechten Rahmen für den Brunnen abgebende Wacholderbusch war mit den Jahren dem kleinen Denkmal doch sehr nahe gekommen und bedrängte es sehr! Im Schatten der Zweige hatte sich im Brunnen eine eigene Pflanzenwelt entwickeln können, die wiederum (z.B. das Efeu) die Fugen des Werks mehr und mehr für sich beanspruchten. Ein Ilex hatte sich in den Fugen des Brunnenbodens angesiedelt.

Hier war somit vorrangig Abhilfe zu schaffen, schon um den Zugang auch von der Kirchenseite zu ermöglichen und die hintere Inschrift wieder lesbar zu machen.
Nachdem der Busch beschnitten war, konnte das kleine Denkmal von allen Seiten begutachtet werden. Es galt nunmehr, den Brunnentrog von allen Erd- und Pflanzenresten zu befreien und den Ablauf wieder freizulegen. Dabei zeigte sich, dass der Boden des Brunnenbeckens doch sehr stark geschädigt war (starke Rissbildung, fehlendes Material und Unterwanderung durch Pflanzenwurzeln.

Die dem Busch zugewandte Rückseite des Brunnens war insgesamt deutlich vermoost und die Fugen zeigten keine Verbindung der einzel-nen Bauteile des Brunnens mehr. Ebenso war zu erkennen, dass bei der Inschrift zwei Buchstaben des Wortes „Freude“ fehlen, sei es durch Verwitterung oder auch durch me-chanische Einwirkungen während der langen Brunnengeschichte.

Fugen im Frontbereich

Auch die nachfolgenden Fotos machen deutlich, dass die Fugen zwischen den Bauteilen insgesamt – sowohl senkrechte als auch waagerechte Fugen – sehr gelitten haben und offen liegen.

Seitliche Sockelfugen

Nach der groben Säuberung des Brunnenbeckens, der Fugen und des Sockelbereichs ging der Steinmetz daran, die maroden Fugen aufzustoßen und die Mörtelreste sowie die eingedrungenen Pflanzen zu entfernen. Danach erfolgte eine erste Säuberung des gesamten Brunnens einschließlich der Fugen mittels Hochdruckreiniger.

Erfreulicher Weise konnten hierdurch und durch einen weiteren Reinigungsgang mittels eines stärkeren Reinigungsgerätes wesentliche Verschmutzungen und Moose entfernt werden. Der Muschelkalk ist nach mehr als 90 Jahren teilweise durch Flechten und Luftverschmutzungen jedoch so weit geschädigt, dass diese Spuren nicht vollständig zu entfernen sind. Insgesamt war der neue Eindruck jedoch erfreulich!

Neuverfugung und Schaffung eines neuen Brunnenbeckenbodens
Durch die Einbringung von Neopren-Fugenbänder schaffte sich Herr Scheybal die Voraussetzung für einen Verguss der vertikalen Fugen bis zum unteren Fugenabschluss. Durch den Verguss wird sichergestellt, dass wegen der Stärke der Bauteile alle seitlichen Fugenflächen fest miteinander verbunden werden. Nachdem dieser Verguss ausreichend aushärten konnte, wurden die Neoprenverschlüsse wieder entfernt und die etwa 2 cm tiefen Restfugen und alle horizontalen Fugen mit Mörtel verschlossen.
Wegen der starken Rissbildung im Brunnenboden musste dieser weitgehend entfernt und durch vergüteten Betonestrich ersetzt werden. An die 400 kg sind neu eingebracht worden.

Situation nach Abschluss der Arbeiten
Im Gegensatz zur ehemaligen Situation mit der den Brunnen „umfangenden“ Vegetation hat das kleine Denkmal nun doch deutlich mehr Luft erhalten und mit der nun auch fertiggestellten Absenkung der Bürgersteigkanten sieht es an der Kreuzung recht auf-geräumt aus. Der Brunnen kommt nun deutlich stärker zur Geltung!
Das kleine Denkmal steht – wie bisher auch, aber gereinigt und ertüchtigt für die nächsten Jahre – an der Ecke des Grundstücks der Königin-Luise-Kirche und wacht über das Pfarrhaus und den zuneh-menden Straßenverkehr an der ebenfalls sanierten Kreuzung.

Die vertikalen und horizontalen Fugen sind wieder vollständig geschlossen.
Ebenso die Fugen der Brunnenränder

Der Boden des Brunnenbeckens ist wieder stabil, aber es ist noch strittig, ob er nach der vollständigen Aushärtung einen Schlussanstrich erhalten sollte.
Eines wird jedoch ganz deutlich, wenn man schon wieder die ersten Laubspuren feststellen kann (sh. Foto), dass hier hin und wieder gereinigt werden muss!

Die Initiative Waidmannslust bedankt sich bei allen Spendern und Akteuren noch ein-mal ganz herzlich! Mit ihrem Beitrag und ihrem Einsatz haben Sie dazu beigetragen, einem kleinen Denkmal etwas von seiner Bedeutung zurückzugeben und es für kommende Jahre zu ertüchtigen.
Bis zum nächsten „runden“ Jubiläum Waidmannslusts sind es noch 5 Jahre. Dann wird der Stadtteil 150 Jahre bestehen und der kleine Brunnen 100! Da jedoch in 2020 Reinickendorf als Bezirk Berlins 100 Jahre alt wird, bezeichnen Besucher und Nachbarn der Kirche auch aus diesem Grunde die Sanierung des Denkmals als angemessene Maßnahme.

Initiative Waidmannslust
Text und Fotos: Günther Poggel im Dezember 2019